Tasmania 1900 Berlin 1965/66 — Die schlechteste Bundesliga-Mannschaft
Saison-Geschichte
Die Saison 1965/66 bescherte der Bundesliga ihre wohl größte Fußball-Legende — allerdings im Negativen. Tasmania 1900 Berlin ist bis heute die schlechteste Bundesliga-Mannschaft aller Zeiten: zwei Siege, vier Remis, 28 Niederlagen, 15:108 Tore und nur acht Punkte. Kein Verein hat diese Bilanz je unterboten, und gleich mehrere Negativrekorde von Tasmania 1965/66 gelten bis heute.
Die Geschichte beginnt mit einem Skandal, den Tasmania nicht einmal selbst verschuldete. Hertha BSC wurden wegen unerlaubter Handgelder die Lizenz entzogen; der DFB bestand aus politischen Gründen auf einem Berliner Vertreter. Also wurde der SC Tasmania 1900 aus dem Nichts in die Bundesliga berufen — erst drei Wochen vor dem ersten Spieltag. Die Spieler lagen im Sommerurlaub, als die Nachricht kam: Kapitän Hans-Günter „Atze“ Becker wurde am Strand von Scharbeutz von einem Nachbarn zurückgeholt. Aus dem Urlaub zurück, blieben der Amateurmannschaft gerade einmal 14 Tage Vorbereitung auf die höchste Spielklasse.
Der Auftakt am 14. August 1965 wurde zum berühmtesten Moment der Vereinsgeschichte. Vor ausverkauftem Olympiastadion — 81.425 Zuschauer — besiegte Tasmania den Karlsruher SC mit 2:0. Der 21-jährige Eigengewächs Ingo Usbeck traf in der 66. und 79. Minute; Kapitän Becker hatte das Publikum vor dem Anpfiff gebeten: „Unterstützt uns, pfeift nicht gleich — ihr seid der zwölfte Mann.“ Der Kicker kürte Becker zum besten Spieler der Partie. Nach dem 1. Spieltag stand Tasmania auf Platz zwei. Trainer Franz Linken aber erdete die Euphorie: „Bei uns wird nach dem Sieg nicht gefeiert.“
Was danach kam, war beispiellos: 31 Bundesliga-Spiele in Folge ohne Sieg — bis heute die längste Durststrecke der Ligageschichte. Die größte Demütigung erlebte Tasmania am 27. Spieltag, als Meidericher SV im Olympiastadion mit 0:9 gewann, der höchsten Heimniederlage der Bundesliga überhaupt. Die Zuschauer blieben weg: Als im Januar 1966 Borussia Mönchengladbach in Berlin gastierte, kamen nur 827 Fans — bis heute der niedrigste Wert der Ligageschichte. Auswärts holte Tasmania aus 17 Spielen nur ein einziges Remis.
Der zweite und letzte Sieg gelang erst am vorletzten Spieltag: Mit 2:1 wurde Borussia Neunkirchen bezwungen, das damit endgültig absteigen musste. Dazwischen lagen Monate voller Niederlagen — unter anderem ein 2:7 in Nürnberg und fünfmal 0:5 auswärts. Am Ende standen 108 Gegentore, im Schnitt mehr als drei pro Spiel.
Das letzte Bundesliga-Spiel am 28. Mai 1966 geriet zur Irrfahrt: Der Verein hatte kein Geld mehr für die Reise, die Mannschaft fuhr mit dem Bus mehr als 500 Kilometer nach Gelsenkirchen. Beim FC Schalke 04, der nur knapp dem Abstieg entging, verlor Tasmania 0:4. „Wenn wir nicht so defensiv eingestellt gewesen wären, hätten die Schalker mit acht Toren Unterschied gewonnen“, sagte Trainer Heinz-Ludwig Schmidt. Torhüter Heinz Rohloff brachte die Stimmung der Truppe später auf den Punkt: „Trinken wir noch einen, dann ist das Ganze besser zu ertragen.“
Die Rekorde, die Tasmania 1965/66 hinterließ, haben bis heute Bestand: die wenigsten Punkte (acht, nach heutiger Wertung zehn), die wenigsten Tore (15), die meisten Gegentore (108) und die längste Serie ohne Sieg (31 Spiele). Als Schalke 04 im Januar 2021 nach 30 sieglosen Spielen kurz davor stand, den Rekord einzustellen, saß der damals 82-jährige Atze Becker im Berliner Verlagshaus von Springer und feierte jedes Schalke-Gegentor. „Und wir behalten unseren Rekord“, sagte er nach dem 4:0-Sieg der Königsblauen über Hoffenheim — Schalke blieb ein Spiel unter Tasmanias Marke.
Die Spieler hatten ein Leben außerhalb des Fußballs. Kapitän Becker arbeitete im öffentlichen Dienst und weigerte sich, seinen Job zu kündigen — mehrere Teamkollegen gaben ihre Berufe auf und wurden Profis. Beckers Prognose lautete: neun Monate, dann steigen wir ab. Als es so kam, nannten ihn die Mitspieler einen Wahrsager. „Ich war nur realistisch“, sagte er später.
Der SC Tasmania 1900 meldete Anfang der 1970er Jahre Konkurs an; 1973 wurde der Nachfolgeverein SV Tasmania Berlin gegründet, der heute in der fünften Liga spielt. Der Ruhm des Rekord-Verlierers ist dort bis heute Identität: Der damalige Kapitän Becker sitzt noch immer auf der Tribüne, und die Fans erzählen die berühmteste Niederlagen-Serie der Liga als Teil der Berliner Fußballgeschichte.
Tasmania war ein Berliner Phänomen. Die Heimspiele fanden nicht im engen Werner-Seelenbinder-Sportpark statt, der nicht bundesligatauglich war, sondern im Olympiastadion. Zu den Auswärtsspielen flog die Mannschaft vom Flughafen Tempelhof über das Gebiet der DDR in den Westen — ein Flug, der zur Routine wurde, ebenso wie die Niederlagen, die danach folgten.
Die wenigen Zuschauer, die kamen, machten das Beste daraus. Als Beckers Frau während eines Heimspiels ihren Sohn zur Welt brachte, skandierte die kleine Kulisse: „Gib eine Runde aus, gib eine Runde aus!“ Der Kapitän zahlte. Es sind diese Geschichten, die Tasmania bis heute zu einem Stück Berliner Fußball-Folklore machen.
Im Kader standen auch Namen, die man kannte: Horst Szymaniak war früher Nationalspieler gewesen, und Wulf-Ingo Usbeck, der Torschütze vom ersten Spieltag, wurde bester Torschütze der Tasmanen. Es war eine Mannschaft aus Amateuren, ehemaligen Größen und jungen Berlinern — zusammengewürfelt in 14 Tagen und doch bis zum letzten Spieltag zusammengeblieben.
Im Tor stand beim Auftakt Klaus Basikow; später hütete Heinz Rohloff das Tor der Tasmanen.
Eine Fußnote der Geschichte: Ohne Tasmanias Zwangsaufstieg gäbe es die Bundesliga mit 18 Mannschaften nicht. Der Karlsruher SC und Schalke 04 klagten gegen die Nachnominierung; um den Streit zu beenden, erklärte der DFB die Saison 1964/65 für abstiegsfrei und vergrößerte die Liga. In 34-0-0 ist Tasmania 1965/66 das schwächste Team des Spiels (Stärke 68) — der eingebaute Freiwurf der Saison, aber auch eine Erinnerung daran, dass selbst die schwächste Mannschaft der Geschichte einmal gewinnen kann.
Taktik-DNA
Stil: Konter · Stärke: 68 · Abstiegs-Tier
Konter im Spiel: Ballbesitz. Sie lauern auf Umschalten — halte den Ball und die Geduld.
Schlüsselspieler & Ratings
| Spieler | Pos | Rating |
|---|---|---|
| Horst Szymaniak (Nationalspieler im Underdog-Trikot) | CAM | 70 |
| Hans-Günter Becker (Atze, Kapitän der Rekord-Verlierer) | CM | 66 |
| Bernd Meißel | CB | 65 |
| Wulf-Ingo Usbeck (Torschützenkönig der Tasmanen) | ST | 65 |
| Heinz Rohloff | GK | 64 |
| Klaus Konieczka | CM | 64 |
Beste XI
| Pos | Spieler | Rating |
|---|---|---|
| GK | Heinz Rohloff | 64 |
| RB | Eckhardt Peschke | 62 |
| CB | Bernd Meißel | 65 |
| CB | Hans-Jürgen Bäsler | 63 |
| LB | Herbert Finken | 61 |
| CM | Hans-Günter Becker | 66 |
| CM | Klaus Konieczka | 64 |
| CM | Peter Engler | 63 |
| CAM | Horst Szymaniak | 70 |
| RW | Wolfgang Rosenfeldt | 62 |
| ST | Wulf-Ingo Usbeck | 65 |
Diese Mannschaft in 34-0-0 schlagen
Tasmania 1965/66 spielt in 34-0-0 mit Stärke 68 das schwächste Team des Spiels — aber genau das macht die Partie heikel. Die Tasmanen lauern im Konter auf Umschaltmomente; wer mit Ballbesitz zu viel riskiert, läuft nach einem Fehlpass in einen schnellen Gegenangriff. Kontrolliere das Spiel mit kurzen Pässen, schieße früh das Führungstor und wechsle nicht zu früh durch — ein Gegentor gegen Stärke 68 kann die perfekte Saison kosten. Nutze die Partie, um deine Tordifferenz zu verbessern, und behandle sie trotzdem wie jedes andere Spiel: In der Geschichte von Tasmania steckt die wichtigste Lektion des Fußballs.
FAQ
Wie schlecht war Tasmania 1965/66 wirklich?
Warum spielte Tasmania überhaupt in der Bundesliga?
Gegen wen verlor Tasmania am höchsten?
Welche Rekorde hält Tasmania bis heute?
Was passiert, wenn ich gegen Tasmania in 34-0-0 verliere?
Wer war Tasmanias bester Spieler?
Weitere Teams
Von L. Yuan · Stand: 2026-09-16